Sprechtext für die Defensio

Markus Macha · MSc Digital Transformation · 17. Oktober 2026, 09:00 Uhr

Zehn Hauptfolien, geplante Dauer 9½ Minuten. Die angegebenen Zeiten sind ein Übungsplan, keine Messung Ihrer tatsächlichen Sprechdauer. Reservefolien gehören in die anschließende Diskussion.
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Folie 1 · 40 Sekunden

HR-Systeme im öffentlichen Dienst

Guten Morgen, vielen Dank für die Gelegenheit, meine Masterarbeit vorzustellen. Ich habe untersucht, welche Vor- und Nachteile Eigenentwicklungen gegenüber Standardsoftware im HR-Management öffentlicher Verwaltungen haben. Der konkrete Fall ist der Übergang vom langjährig genutzten System IPIS zu SAP HCM beim Land Salzburg. Im Zentrum steht eine Entscheidung, die zugleich fachliche, wirtschaftliche und organisatorische Folgen hat. Ich stelle zunächst die Fragestellung und mein Vorgehen vor, danach die wichtigsten Ergebnisse, den konzeptionellen Beitrag und die Grenzen der Untersuchung.

Bezug: Titelblatt, Kap. 1
Folie 2 · 55 Sekunden

Eine bewährte Lösung kann zum Zukunftsrisiko werden

Die Ausgangslage ist ein Spannungsverhältnis. Eine Eigenentwicklung kann über viele Jahre sehr gut funktionieren, weil sie eng an die Prozesse einer Verwaltung angepasst ist. Das gilt im untersuchten Fall für IPIS. Gleichzeitig entstehen Risiken, wenn die technische Basis altert und Wissen bei wenigen Personen liegt. Standardsoftware verspricht eine breitere Weiterentwicklung und einen dauerhaften Support, verlangt aber Anpassungen an gewohnte Abläufe. Für den öffentlichen Dienst kommt hinzu, dass Dienstrecht und Besoldung, Datenschutz, komplexe Stellenpläne und Budgetvorgaben die Entscheidung prägen. Deshalb reicht ein reiner Funktionsvergleich nicht aus. Die Arbeit untersucht, wie sich diese unterschiedlichen Anforderungen in einer nachvollziehbaren Entscheidung verbinden lassen.

Bezug: Kap. 1, 2.3–2.4, 4.1
Folie 3 · 55 Sekunden

Forschungsfrage und Zielsetzung

Die Hauptforschungsfrage lautet: Welche Vor- und Nachteile haben Eigenentwicklungen gegenüber Standardsoftware-Lösungen im HR-Management öffentlicher Verwaltungen? Ich habe sie durch drei Unterfragen konkretisiert. Erstens: Welche Entscheidungskriterien sind relevant? Zweitens: Welche Besonderheiten des öffentlichen Dienstes beeinflussen ihre Bedeutung? Drittens: Welche Lerneffekte ergeben sich aus dem Wechsel von IPIS zu SAP HCM? Das Ziel war, die Abwägung systematisch zu strukturieren und daraus ein Entscheidungsframework abzuleiten. Damit soll erkennbar werden, warum eine Option unter bestimmten Bedingungen tragfähig erscheint. Die Arbeit untersucht die konkrete Entscheidungssituation. Sie liefert keine universelle Empfehlung für eine bestimmte Software.

Bezug: Kap. 1.2–1.4
Folie 4 · 75 Sekunden

Qualitative Einzelfallstudie mit mehreren Datenquellen

Methodisch kombiniert die Arbeit eine kriteriengeleitete Literaturanalyse mit einer qualitativen Einzelfallstudie. Die Literaturbasis umfasst 80 Quellen. Der Fall rekonstruiert den Migrationsprozess beim Land Salzburg mit einem Schwerpunkt auf der Phase vor und nach dem Go-Live. Ich habe mehrere Datenquellen zusammengeführt: eigene teilnehmende Beobachtungen, Projekt- und Systemdokumente sowie zehn leitfadenfreie Expertengespräche. Die Gesprächspartner habe ich gezielt ausgewählt, um unterschiedliche Projektperspektiven aus HR, IT, Führung, Nutzung und externer Beratung abzudecken. Die Auswahl ist keine repräsentative Stichprobe. Sie wurden als thematische Feldnotizen dokumentiert, nicht aufgezeichnet und vollständig transkribiert. Die Auswertung folgt einer deduktiven Inhaltsanalyse entlang von neun Vergleichskriterien. Darüber hinausgehende Aspekte wurden als ergänzende Subkategorien aufgenommen. Der Abgleich unterschiedlicher Quellen stärkt die Nachvollziehbarkeit, beseitigt mögliche Verzerrungen aber nicht vollständig.

Bezug: Kap. 3.2–3.4, Anlagen II–III
Folie 5 · 55 Sekunden

Der Vergleich verbindet Technik, Wirtschaftlichkeit und Organisation

Den Vergleich habe ich theoretisch über drei Perspektiven begründet. Die Transaktionskostentheorie erklärt die Bedeutung spezifischer Anforderungen und langfristiger Unsicherheit. Der Resource-Based View richtet den Blick auf Ressourcen und die Frage, ob eine Organisation das erforderliche Know-how dauerhaft sichern kann. Total Cost of Ownership erweitert die Kostenbetrachtung über Anschaffung und laufenden Betrieb hinaus. Ergänzend berücksichtige ich die organisatorische Verankerung von IT-Systemen und die Nutzerakzeptanz. Daraus ergeben sich neun Vergleichskriterien. Ihre Kombination ermöglicht, fachliche Passung und Benutzerfreundlichkeit ebenso zu betrachten wie Zukunftssicherheit, Wartung und Risiken. Wichtig ist: Die Kriterien strukturieren die Analyse. Ihre Bedeutung hängt vom konkreten Verwaltungskontext ab.

Bezug: Kap. 2, 3.4.4
Folie 6 · 70 Sekunden

Hohe Passung stand langfristiger Unsicherheit gegenüber

Das zentrale Ergebnis ist ein Zielkonflikt. IPIS verfügte über eine hohe Passung zu den gewachsenen Abläufen und über große Vertrautheit bei den Nutzenden. Diese Vorteile bestanden tatsächlich und dürfen in einem Vergleich nicht ausgeblendet werden. Gleichzeitig identifiziert die Fallstudie Risiken aus der technischen Alterung und der Abhängigkeit von wenigen Wissensträgern. Diese Zukunftsrisiken waren für die Buy-Entscheidung maßgeblich. SAP HCM bietet eine breitere Weiterentwicklungs- und Supportstruktur. Die Einführung erforderte jedoch Anpassungen und führte in der frühen Nutzung auch zu technischen und organisatorischen Problemen. Daraus folgt: Die strategische Begründung für einen Wechsel und die Qualität seiner Umsetzung müssen getrennt betrachtet werden. Eine langfristige Kostenüberlegenheit kann ich mit den vorliegenden Daten nicht nachweisen.

Bezug: Kap. 4, 5.2.1–5.2.4, 5.5
Folie 7 · 65 Sekunden

Das bisherige System prägt den Maßstab für das neue

Ein besonders relevanter Befund betrifft den Maßstab, mit dem Beschäftigte die neue Lösung beurteilen. Das bisherige System hat über Jahre einen historischen Referenzstandard geschaffen. In der Arbeit bezeichne ich ihn als Null-Linie. Das neue System wird an diesen eingespielten Erfahrungen gemessen. Daraus habe ich das Soziotechnische Erwartungs- und Akzeptanzmodell, kurz SEAM, konzeptionell abgeleitet. Es beschreibt die Lücke zwischen Erwartungen und wahrgenommenem Systemnutzen im Migrationsprozess. Diese Lücke kann sowohl durch technische Mängel als auch durch veränderte Arbeitsweisen entstehen. Deshalb sollte Kritik nicht pauschal als Widerstand interpretiert werden. Der Beitrag des Modells liegt in einer strukturierten Erklärung dieses Zusammenspiels. Die dargestellte zeitliche Entwicklung ist eine Modellannahme und keine statistisch geschätzte Verlaufskurve.

Bezug: Kap. 2.6, 5.2.5, Abb. 8–9
Folie 8 · 55 Sekunden

Das Framework macht die Abwägung nachvollziehbar

Der praktische Beitrag der Arbeit ist ein Entscheidungsframework mit einem Entscheidungsbaum, einer gewichteten Matrix und kontextbezogenen Empfehlungen. Es macht sichtbar, welche Kriterien eine Empfehlung tragen und welche Annahmen ihr zugrunde liegen. Eine wichtige kritische Folgerung ist, Modernisierung als eigene Handlungsoption ernsthaft zu prüfen. Die Alternative lautet nicht immer nur: altes System unverändert weiterführen oder vollständig ersetzen. Eine technische Erneuerung kann bewährte Funktionen erhalten, muss aber ebenfalls auf langfristige Tragfähigkeit geprüft werden. Die Matrix enthält begründete Gewichtungen. Diese sind nicht quantitativ validiert und sollten für andere Verwaltungen angepasst werden. Das Framework unterstützt also die Abwägung und ersetzt weder eine Machbarkeitsprüfung noch die Verantwortung der Entscheidungsträger.

Bezug: Kap. 5.2.7, 5.3–5.4
Folie 9 · 65 Sekunden

Die Aussagekraft ist durch Fall und Daten begrenzt

Die Grenzen sind für die Einordnung der Ergebnisse wesentlich. Erstens erlaubt die Einzelfallstudie keine statistische Generalisierung. Eine Übertragung ist nur unter Berücksichtigung vergleichbarer Rahmenbedingungen sinnvoll. Zweitens war ich selbst in das Projekt eingebunden. Das ermöglichte einen vertieften Zugang, birgt aber Beobachtungs- und Bestätigungsverzerrungen. Ich habe deshalb unterschiedliche Quellen und auch negative Befunde berücksichtigt. Drittens standen vertrauliche Budgetdaten nicht vollständig zur Verfügung. Eine belastbare langfristige TCO-Rechnung war damit nicht möglich. Viertens fehlen Langzeitbeobachtungen, und die Gesprächsdaten liegen als Feldnotizen vor. Für weitere Forschung sind daher Mehrfallstudien, eine quantitative Prüfung der Kriteriengewichtung und eine längsschnittliche Untersuchung der Akzeptanz besonders wichtig.

Bezug: Kap. 5.5, 6.3
Folie 10 · 35 Sekunden

Die Antwort hängt von Passung und langfristiger Tragfähigkeit ab

Die Antwort auf meine Forschungsfrage lautet: Eigenentwicklungen bieten eine hohe Prozesspassung, benötigen aber dauerhaft gesichertes Know-how und eine tragfähige technische Basis. Standardsoftware stärkt Weiterentwicklung und Support, verursacht jedoch Anpassungs- und Veränderungsaufwand. Im Fall Salzburg überwogen die Zukunfts- und Wissensrisiken der Eigenentwicklung. Daraus folgt keine allgemeine Überlegenheit von Buy. Mein Beitrag ist eine strukturierte Abwägung, die organisatorische Akzeptanz berücksichtigt. Das Framework und SEAM liefern Ansatzpunkte für weitere empirische Prüfung. Vielen Dank. Ich freue mich auf Ihre Fragen.

Bezug: Kap. 6.1–6.3
Reserve für das Fachgespräch

Reserve: Datenbasis und Auswertung

Mögliche Frage: Warum keine standardisierten Interviews? Antwort: Die leitfadenfreien Gespräche dienten dem Zugang zu Erfahrungswissen im konkreten Migrationsprozess. Das ist eine Stärke für die Exploration, begrenzt aber Vergleichbarkeit und Replizierbarkeit. Auf eine Frage nach Intercoder-Reliabilität keine Prüfung behaupten, die in der Arbeit nicht dokumentiert ist. Auf die eigene regelgeleitete Auswertung und ihre Grenzen verweisen.

Bezug: Kap. 3.4, Anlagen II–III
Reserve für das Fachgespräch

Reserve: Gewichtungen der Entscheidungsmatrix

Mögliche Frage: Warum diese Gewichte und nur acht Prozent Kultur? Antwort: Die Gewichte sind eine theorie- und fallbezogene Priorisierung, keine gemessenen universellen Parameter. Zukunfts- und Ressourcenrisiken werden darin stark gewichtet. Die hohe Bedeutung der kulturellen Dimension in den qualitativen Befunden macht eine Sensitivitätsanalyse gerade für dieses Gewicht sinnvoll. Andere Gewichtungen können zu einer anderen Empfehlung führen. Die neun Analysekriterien und die sechs Matrixfaktoren erfüllen unterschiedliche Funktionen. Ihre Zuordnung sollte transparent erläutert werden.

Bezug: Kap. 3.4.4, 5.3.2, Tab. 20
Reserve für das Fachgespräch

Reserve: Die Scores zeigen eine retrospektive Einordnung

Mögliche Frage: Bestätigt der Score die richtige Entscheidung? Antwort: Er macht die retrospektive Bewertung unter den gewählten Annahmen nachvollziehbar. Er beweist keine objektive Optimalität. Insbesondere liegt 3,43 unter der genannten Schwelle von 3,5 für eine klare Buy-Empfehlung. Deshalb würde ich aus der Rangfolge lediglich eine relative Präferenz unter diesen Annahmen ableiten. Schwellenwerte, Bewertungsrichtung und Sensitivität benötigen weitere Prüfung. Diese Differenz offen zu benennen ist überzeugender, als eine scheinbar eindeutige Validierung zu behaupten.

Bezug: Kap. 5.3.2, Tab. 20–22
Reserve für das Fachgespräch

Reserve: SEAM lässt sich empirisch prüfen

Mögliche Frage: Was ist an SEAM neu und wie wäre es prüfbar? Antwort: Der Ansatz verbindet bekannte Konzepte, insbesondere historische Referenzstandards, wahrgenommenen Nutzen und die Gestaltung von Veränderung, für den konkreten Migrationskontext. Die Neuheit liegt im vorgeschlagenen Zusammenspiel, nicht in der Erfindung jedes einzelnen Konstrukts. Eine unabhängige Validierung steht aus. Für eine Prüfung würde ich Erwartungen und Nutzenerleben wiederholt erfassen und technische Fehler sowie Prozessänderungen als alternative Erklärungen berücksichtigen. Die Prozentwerte und Zeitphasen der schematischen Darstellung sind keine empirisch geschätzten Parameter.

Bezug: Kap. 5.2.5, 6.3
Reserve für das Fachgespräch

Reserve: Kritische Fragen und belastbare Antworten

Nutzen Sie diese Folie nur bei Bedarf. Antworten jeweils auf die konkrete Frage begrenzen und anschließend auf Datenbasis oder Kapitel verweisen. Bei nicht erhobenen Informationen sagen: Das kann ich auf Basis meiner Untersuchung nicht belastbar beantworten. Keine Zahlen zu Einsparungen, Effekten oder Validierungsprüfungen ergänzen. Bei der Alternative Modernisierung klarstellen, dass eine rückblickende plausible Option keinen Nachweis ihrer damaligen Machbarkeit darstellt.

Bezug: Kap. 5.2.7, 5.5, 6.3
Reserve für das Fachgespräch

Reserve: Literaturanker für die Diskussion

Die eingereichte Masterarbeit lokal als PDF bereithalten. Für Rückfragen sind Kapitel 3 zur Methodik, Kapitel 5.3 zur Matrix, Kapitel 5.5 zu Grenzen und die Anlagen II und III zur Datenbasis besonders relevant. Interne Originaldokumente und nicht freigegebene Rohdaten nicht in die veröffentlichte Präsentationswebsite aufnehmen.

Bezug: Kap. 2–3, Literaturverzeichnis